Chronik und astronomische Highlights 2013



15. Febr.

2012 DA14

ist ein NEA, ein Near Earth Asteroid. Im Gegensatz zu den meisten Asteroiden, die die Sonne auf Bahnen zwischen Mars und Jupiter umrunden, ist er ein Erdbahnkreuzer. Als solcher stellt er einen Rekord auf: Seit Beginn der regulären Himmelsüberwachung in den 90er Jahren ist kein so großes Objekt derart nahe an der Erde vorbeigeschrammt.

Wie groß ist er? Durchmesser ca. 45 m, also ungefähr so groß wie ein halbes Fußballfeld. Gewicht ca. 130.000 t.

Wie nah fliegt er vorbei? Der minimale Abstand von der Erdoberfläche wird nur 27.700 km betragen. Das entspricht einer Distanz von nur 2,2 Erddurchmessern. Unsere Wetter- und Fernsehsatelliten sind weiter von der Erdoberfläche entfernt, nämlich 35.800 km (siehe Grafik: grüne geosynchrone Bahn).


Der nahe Vorbeiflug an der Erde wird sich auf die Bahn des kleinen Asteroiden auswirken. Während er vorher zur Klasse der Apollo-Asteroiden gehörte, die Umlaufdauern länger als ein Jahr und Umlaufbahnen größtenteils außerhalb der Erdbahn aufweisen, wird er nachher ein Mitglied der Aten-Asteroiden-Familie sein, deren Umlaufdauern kürzer als ein Jahr sind und deren Umlaufbahnen größtenteils innerhalb der Erdbahn liegen.
Die gute Nachricht ist, dass dieser Brocken, obwohl er mit 28.000 km/h haarscharf an der Erde vorbeirasen wird, laut NASA definitiv nicht mit der Erde kollidieren wird. Aber was wäre wenn? Der Einschlag eines Objekts wie 2012 DA14 löst keine globale Katastrophe aus, kann aber eine komplette Region verwüsten, wie z.B. 1908 geschehen, als die Druckwelle eines Himmelskörpers im Bereich der Tunguska in Sibirien auf einer Fläche von 2.000 qkm Bäume wie Streichhölzer knickte, oder wie vor 50.000 Jahren, als ein Meteorit den Barringer-Krater in den Boden Arizonas sprengte. Auch die Menschheit könnte mit 200 Hiroshimabomben eine ähnliche Verwüstung anrichten. Die Häufigkeit, dass die Erde von einem 50 m großen Brocken aus dem All getroffen wird, wird von der NASA derzeit mit einmal in 1.200 Jahren angegeben.

Öffnungszeiten (bei schönem Wetter):
Aus diesem Grund hat die Sternwarte am Schulzentrum für die interessierte Öffentlichkeit geöffnet.
Beginn der Asteroidenshow um 21:00 Uhr. Wegen des Baumbestandes im NO könnte der Asteroid 2012 DA14 zwischen 21:30 Uhr und 22:30 Uhr zu beobachten sein (sofern das Wetter mitspielt).





Es ist eine zufällige Koinzidenz, dass am Morgen des 15. Febr. 2013 ein kleiner Asteroid, der mit dem angekündigten Vorbeiflug des NEA 2012 DA14 nichts zu tun hat, in der Atmosphäre über der russischen Stadt Tscheljabinsk mit einer Wucht von 25 Hiroshima-Bomben explodiert.
Die Spannung, den NEA 2012 DA14 am Abend zu beobachten, ist daher groß, aber wieder einmal macht uns das trübe Winterwetter einen Strich durch die Rechnung.


16. März

11. Bundesweiter Tag der Astronomie,   Motto: "Vagabunden des Sonnensystems"

In diesen Tagen könnte der Komet C/2011 L4 PanSTARRS am Abendhimmel seinen glanzvollen Auftritt haben und mit dem bloßen Auge deutlich sichtbar sein. Allerdings hält er sich von uns aus gesehen in Sonnennähe und tief über dem Westhorizont auf:


Für die Sternwarte in Geretsried wurde eine Sternkarte mit der Bahnkurve des Kometen berechnet:

In der Sternwarte beginnt bei schönem Wetter die Jagd auf den Kometen PanSTARRS um 18:00 Uhr. Sonnenuntergang ist um 18:20 Uhr.
Dem Kometen folgen mit zunehmendem Abstand zum Horizont die Mondsichel, Riesenplanet Jupiter und zu später Stunde auch Ringplanet Saturn. Open end.
Um 20:00 Uhr referiert Kurt Motl über Kometen (bei jedem Wetter).
Thema: "Der Komet PanSTARRS und andere Vagabunden des Sonnensystems".

Am Nachmittag des Astronomietages können bereits die Aktivitäten der Sonne beobachtet werden. Mit einem sicheren Filter erkennt man auf der Sonnenoberfläche Sonnenflecken und in einem speziellen Fernrohr am Sonnenrand Protuberanzen (Gasausbrüche).
Öffnungszeit für die Sonnenbeobachtung: 14:00 bis 15:30 Uhr.

Bei der Sonnenbeobachtung zeigte die Sonne zahlreiche Flecken, die Protuberanzen waren weniger eindrucksvoll. Die Jagd auf den Kometen blieb wegen leichter Bewölkung ergebnislos.
PanSTARRS wurde erst drei Tage später, am 19.03.2013 zum ersten Mal von Peretshofen aus gesichtet und von Christoph Otawa fotografiert.

Siehe Fotogalerie > Kometen.

28. April

Öffnungszeit: 14:30 Uhr - 16:30 Uhr
Bei schönem Wetter können die Kids aus Geretsried mit dem Teleskop die Sonnenaktivität beobachten.
Bei schlechtem Wetter wird eine Sternwartenführung angeboten.



Bei bedecktem Himmel haben ca. 20 Kids und 20 Erwachsene die Leistungsfähigkeit unserer beiden Teleskope bei 30facher und bei 200facher Vergrößerung getestet.

30. April

Der CARITAS-Kindergarten besucht die Sternwarte

14 Kindergartenkinder besuchen mit ihren drei Betreuerinnen bei leider bedecktem Himmel die Sternwarte. Trotzdem ist das Staunen groß, wenn die Kleinen feststellen, dass im Teleskop die Welt auf dem Kopf steht und die Fichtenzapfen nach oben wachsen.






10. Aug.

Ferienpass-Programm

14:00 Uhr - 15:30 Uhr Sternwartenführung mit Sonnenbeobachtung:
Bei schönem Wetter kann man auf der Sonnenoberfläche Sonnenflecken und Protuberanzen (Gasausbrüche) beobachten.
Bei schlechtem Wetter findet nur die Sternwartenführung statt.

Nov./Dez.

Komet C/2012 S1 ISON

Am 21. Sept. 2012 entdeckten zwei russische Astronomen mit einem Teleskop des International Scientific Optical Network (ISON) jenseits der Jupiterbahn einen lichtschwachen Himmelskörper. Nachdem es gelang, seine Bahn zu berechnen, stellte sich heraus, dass es sich dabei um einen Kometenkern aus der Oortschen Wolke handelt. Die Oortsche Wolke ist ein Reservoir aus Milliarden von kleinen eisigen Körpern, das unser Sonnensystem weit außerhalb der Planetenbahnen umgibt. Dieser Komet besucht also zum ersten Mal unser inneres Planetensystem und wird dabei der Sonne sehr nahe kommen. Solche Kometen heißen im Fachjargon sungrazer (Sonnenkratzer, Sonnenstreifer). Sie können aufgrund der hohen Temperaturen in Sonnennähe eine enorme Helligkeit und Schweiflänge entwickeln, so dass man bereits von einem Jahrhundertkometen spricht. Sie können aber auch aufgrund der starken Gezeitenkräfte zerbrechen.


Quelle: NASA/JPL-Caltech
Der Komet ISON wird am 28. Nov. 2013 den sonnennächsten Punkt seiner Bahn, den Perihel, in nur 1,2 Mio. km Entfernung von der Oberfläche der Sonne passieren. Das ist weniger als ihr Durchmesser. Das bedeutet, dass er durch die äußeren Bereiche der 1 Mio. Grad heißen, aber sehr dünnen Korona der Sonne fliegen wird. Die Temperatur auf der Kometenoberfläche wird in Sonnennähe 2700°C erreichen.

Den geringsten Abstand von der Erde wird ISON am 26. Dez. 2013 mit 63 Mio. km besitzen.
Am 14./15. Jan. 2014 wird die Erde die Bahn des Kometen kreuzen. Dies könnte mit einem Meteorschauer verbunden sein.

Sichtbarkeit:

Ab August 2013 kann man ISON mit kleinen Teleskopen oder Feldstechern verfolgen.
Mit dem bloßen Auge wird er ab Mitte November am Morgenhimmel zu Beginn der Dämmerung zu sehen sein.

Während der Passage des Perihels könnte er für kurze Zeit die Helligkeit des Vollmonds erreichen. Sein Winkelabstand von der Sonne wird dann nur rund 1° betragen, das entspricht zwei Sonnendurchmessern. Von seiner Beobachtung mit Teleskopen bzw. Feldstechern in Sonnennähe ist wegen der Gefahr der Verbrennung der Netzhaut abzuraten.

Wegen seiner Helligkeit und Schweiflänge könnte der Komet ISON ein Jahrhundertkomet werden, sofern er sich in Sonnennähe nicht auflöst.

Dann ist er ab dem 5. Dez. am Morgenhimmel zu sehen und steht zu Beginn der Dämmerung um 7:00 Uhr im OSO knapp über dem Horizont.
Ab Mitte Dezember kann er dann auch am Abendhimmel zu Beginn der Dämmerung um 17:00 Uhr tief im W beobachtet werden. Er zieht dann lichtschwächer werdend am Herkules vorbei in Richtung Kleiner Wagen.



Aktuell:
Aus ISON ist nun doch kein Jahrhundertkomet geworden. Schade. Während seines nahen Vorbeiflugs an der Sonne wurde sein Kern verdampft. Übrig geblieben ist von ihm nur eine Gas- und Staubwolke, die vom Sonnenwind verweht wird.

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