Die Vereinsgeschichte



Als der Sachaufwandträger des Landkreises Anfang der Siebzigerjahre eine fortschrittliche Schule, eine kooperative Gesamtschule, in Geretsried baute, stattete er sie mit einer Sternwarte aus – damals ein Novum bei den bayerischen Gymnasien. Um die Sternwarte einzurichten, fehlte allerdings das Geld. Genau dieser Umstand war der Anstoß für die spätere Vereinsgründung. Es dauerte einige Jahre bis der Leerstand der Sternwarte durch den neugierigen Hobbyastronomen Eduard Lenz aufgedeckt und in der Öffentlichkeit bekannt wurde. Mit Herrn Dr. Otto Rothe an der Spitze trafen sich am 8. Juli 1976 elf interessierte Bürger zur Gründungsversammlung der "Schulsternwarte Geretsried e.V.", um die leer stehende Sternwarte mit einem Teleskop auszustatten und (laut Satzung) "eine Sternwarte zum allgemeinbildenden Nutzen der Schüler und Bürger Geretsrieds sowie der interessierten Öffentlichkeit zu betreiben". Hierzu stellte Eduard Lenz sein 20 cm-NEWTON-Spiegelteleskop zur Verfügung.

Von der Astronomie begeisterte Schüler traten dem Verein bei und setzten durch ihr Engagement neue Schwerpunkte neben dem schulischen Wahlunterricht. Der Verein entwickelte sich in den Neunzigerjahren weiter zu einer Volks- und Schulsternwarte.

Auch die technische Ausstattung der Sternwarte am Schulzentrum Geretsried wurde laufend verbessert. Mit der Anschaffung einer neuen Alt5-Montierung, eines 6" ED APO-Refraktors von MEADE und der Spende eines 10"-Schmidt-NEWTON-Spiegelteleskops war die technische Runderneuerung der Sternwarte vorerst abgeschlossen.
Lehrer und Schüler des Gymnasiums und der Realschule (jetzt Schulzentrum Geretsried) nutzten die Sternwarte im Rahmen des Astronomie-Wahlunterrichts oder eines Astronomie-Grundkurses und bei anderen schulischen Veranstaltungen. Sie fanden hochwertige Teleskope und Technik vor, die sie selbst kaum hätten finanzieren können.

Die größten Besuchermagneten an dieser Sternwarte waren der Komet Hale-Bopp im Frühjahr 1997 und der Komet Shoemaker-Levy im Juli 1994. Wegen Hale-Bopp wurde die Sternwarte von hunderten Besuchern regelrecht überrannt. Sie drängten an die Teleskope, obwohl es da keinen Kometenkern zu sehen gab. Auch die Hoffnung der Besucher, die Einschläge der Bruchstücke von Shoemaker-Levy live auf dem Jupiter verfolgen zu können, wurde enttäuscht, weil sie auf der erdabgewandten Seite des Planeten erfolgten.
Der absolute astronomische Höhepunkt an der Sternwarte am Schulzentrum war der denkwürdige 11. August 1999, der Tag, an dem die Sonne total verfinstert wurde, da der Kernschatten des Mondes über die Sternwarte hinwegzog. Eine halbe Stunde vor der Totaltät schüttete es noch in Strömen und wenige Minuten nach der Totalität verschluckten Wolken schon wieder alles Sonnenlicht. Die totale Phase dauerte nur knapp eine Minute, aber diese Minute war einfach phantastisch, unwirklich, beglückend. Wir waren begeistert.






2008 – ein Wendepunkt in der Vereinsgeschichte:

Christian Müller, 2. Vorstand, erfuhr damals, dass auf dem Wendelstein der Bau eines neuen Observatoriums in Planung ist. Das alte Gebäude, ein mit Blech verkleidetes Stahlskelett mit einer Ashdome-Kuppel, sollte dem Neubau weichen. Der Clou: Das Gebäude würde nichts kosten außer Transportkosten. Im Verein stieß Christian Müllers Planungskonzept, mit diesem Gebäude eine öffentliche Sternwarte an einem dunklen Standort im Landkreis zu errichten, sofort auf große Zustimmung. Es beinhaltete auch die Teilfinanzierung eines Großteleskops mit Hilfe von LEADER- Fördermitteln und eine angestrebte Kooperation mit der Volkssternwarte München, die damals auf der Suche nach einer Außensternwarte an einem dunklen Standort war. Heftige Aktivitäten folgten: Ein geeigneter Standort musste gefunden werden. Der Verein legte sich wegen der überregionalen Bedeutung der geplanten Sternwarte einen neuen Namen zu: "Isartalsternwarte e.V.".

Aber Rückschläge blieben nicht aus: Wir erhielten nicht den Zuschlag für das alte Observatorium auf dem Wendelstein, worüber wir im Nachhinein froh waren. Das Interesse der Volkssternwarte München flaute auch ab. Und der Standort löste sich in Luft auf, weil die Grundstückseigentümerin nach 1½ Jahren ihr gegebenes Placet zurücknahm. Unserem Projektleiter Christian Müller wurde ein weiterer Standort angeboten, den aber der zuständige Gemeinderat nicht akzeptieren wollte.
Erst im dritten Anlauf wurde die Standortfrage gelöst. Auf Einladung des Leiters der Jugendsiedlung Hochland, Josef Birzele, fand eine Begehung des riesigen Geländes der JSH in Königsdorf- Rothmühle statt und Christian Müller bewertete drei infrage kommende Standorte hinsichtlich ihrer Eignung. Die Nummer 2 machte das Rennen. Dieser Standort überzeugte auch bei Tag durch seine idyllische Lage. Aus der Nähe der Jugendsiedlung, die rund 50.000 Übernachtungen pro Jahr registriert, würden wir großen Nutzen ziehen und umgekehrt – eine Win-win-Situation.

Eine letzte Hürde war die Finanzierung der Sternwarte. Die geschätzten Gesamtkosten waren auf 350.000 € hochgeschnellt. Für unser ehrgeiziges Projekt beantragten wir LEADER-Fördermittel, die in einer Höhe von rd. 150.000 € zugesagt wurden, wenn wir die Kofinanzierung in Höhe von rd. 200.000 € nachweisen können – eine echte Herausforderung bei einem Eigenkapital von nur 10.000 €. Wir rührten die Werbetrommel, veranstalteten Ausstellungen, um unser ehrgeiziges Projekt im Landkreis bekannt zu machen. Die Politik bezeichnete es als "Leuchtturmprojekt für den Landkreis". Wir dachten uns Aktionen aus, um Spendengelder für kleine und große Geldbeutel zu akquirieren und fragten bei Banken, Firmen und Gewerbebetrieben an. Die Resonanz war groß und wir erhielten hunderte kleinere und größere und auch sehr große Zuwendungen im Vertrauen darauf, dass wir das Finanzierungsziel erreichen. Wir haben es tatsächlich geschafft – und das grenzt an ein Wunder.

Im Januar 2013 wurde der Antrag auf Baugenehmigung für privilegiertes Bauen im Außenbereich gestellt. Verantwortlicher Architekt war Christoph Otawa, gleichzeitig aktives Vereinsmitglied und Astrofotograf. Er erfüllte die gesamten Objektplanungsleistungen. Nach dem Erhalt der Baugenehmigung folgte am 06. Juli 2013 der "Erste Spatenstich" auf der grünen Wiese: "Der Verein blickt optimistisch in eine rosige astronomische Zukunft."
Der Einladung zur Grundsteinlegung am 08. August 2013 waren unser Landtagsmitglied Martin Bachhuber, drei Bürgermeister und zahlreiche Förderer gefolgt. Eine Zeitkapsel wurde mit dem Bauplan, einer Liste unserer Förderer, Zeitungen vom Tage (SZ und GM), je einer Ausgabe von "Sterne und Weltraum" und "Interstellarum", einem Münzensatz und Glücksbringern für die Nachwelt befüllt und eingemauert.

   
Vier Monate später war der Rohbau fertiggestellt und die 5,5 m-ScopeDome-Kuppel von der Firma Astroshop aufgestellt.
Um die Gesamtkosten nicht explodieren zu lassen, war der Verein, zumindest die Aktiven im Verein, beim Ausbau extrem gefordert. Wir nahmen so ziemlich alles, was machbar war, selbst in die Hand: Malerarbeiten, Verlegen von Fußböden, Einbau einer Küchenzeile, alle Holzarbeiten, zum Beispiel das Anbringen der Fassade. Legt man alle Fichte-Rhombuslatten aneinander, so kann man damit einen Sportplatz zehnmal umrunden. Die Gesamtlänge aller Latten beträgt 4 km. Wir drehten mehr als 6.000 Edelstahlschrauben hinein, um sie an der Unterkonstruktion zu befestigen, .
 
Mit der Sichtung des Teleskopmarktes, das Für und Wider der einzelnen Modelle darzustellen, damit hatten wir Werner Eich beauftragt. Er ist unser erfahrener Optikexperte, der schon verschiedenste Teleskope berechnet und selbst konstruiert hat. Seine Empfehlung war aufgrund eines guten Preis-Leistungs-Verhältnisses ein 60 cm-Spiegelteleskop der Firma PlaneWave Instruments (USA). Das CDK24 ist ein 24" Corrected Dall-Kirkham Astrograph. Am 03. Juni 2014 wurde es von der Firma Baader Planetarium geliefert, per Kran in die Kuppel gehievt und auf einer parallaktischen 10MICRON GM4000 HPS GoTo-Montierung (Italien) montiert.
Die ersten Testfotos ein paar Tage nach dem Einbau machte Christoph Otawa, unser "Star"-Astrofotograf und mehrfacher Preisträger – u. a. 1. Preis im großen Fotowettbewerb von Astrosysteme Austria und Sterne und Weltraum (2014). Die Testfotos zeigten, dass unser großes Teleskop, das größte in einem 100 km-Umkreis (ausgenommen Volkssternwarte München), unsere Erwartungen voll erfüllt. Das erste Astrofoto nach den Tests ist die Whirlpool-Galaxie M51 (CDK24 mit EOS 6Da, 20x120s, ISO3200, am 22.06.2014)

Nach einer Festrede des Bayerischen Staatsministers Helmut Brunner und Grußworten von Kommunalpolitikern wurde die Isartalsternwarte am 16. Oktober 2014 durch die örtliche Geistlichkeit in Anwesenheit von MdL Martin Bachhuber, dem stellv. Landrat, fünf Bürgermeistern und zahlreichen Förderern und Ehrengästen ökumenisch eingeweiht. Es war eine Sternstunde für den Verein, für Königsdorf, für den Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen und das gesamte Oberland.
Mit einem Tag der offenen Tür am 26. Oktober 2014 nahm die Sternwarte ihren Führungsbetrieb auf.
 


                
























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