Chronik und astronomische Highlights 2016



2016

Astrokalender 2016 der Isartalsternwarte

Die Fotografien für den Astrokalender 2016 wurden von Christoph Otawa, Isartalsternwarte e.V., zur Verfügung gestellt.

Herausgeber:   Rudolf Group, Geretsried
Grafische Gestaltung:   Magnus Marketing
Druck:   Ulenspiegel Druck GmbH




Link zum Kalender


Freitag
26. Febr.

"Sternendeuter, Priester, Astronomen"
  -   Die Himmelsforschung unserer Vorfahren
  -   ein Vortrag von Hans-Georg Schmidt

Schon vor vielen Jahrtausenden wussten etliche Menschen über den Lauf der Gestirne sehr gut Bescheid. Immerhin waren sie ja als Sternendeuter für die Berechnung der Kalender, für die Standortbestimmung ihrer Völker in Raum und Zeit unmittelbar zuständig. In Gestalt ihrer Bauwerke, ihrer überlieferten Schriften und ihrer archäologischen Relikte leben ihre Kenntnisse bis zum heutigen Tag weiter. Der Vortrag wird über die Frühgeschichte der europäischen Astronomie berichten.

Samstag
19. März

Freier Eintritt beim 14. bundesweiten Tag der Astronomie:

14:00 Uhr:   Tageshimmelführung

Bei schönem Wetter findet von 14:00 Uhr bis 16:00 Uhr an der Isartalsternwarte eine Tageshimmelführung statt.
Im Vordergrund steht die Beobachtung der Sonnenaktivität mit unterschiedlichen Sonnenteleskopen:
Sonnenflecken, Flares, Protuberanzen und Filamente.

Mit dem großen 60 cm-Spegelteleskop kann man auch helle Sterne oder  helle Planeten  am Tageshimmel erkennen und natürlich den Mond beobachten, falls er über dem Horizont steht.


Der diesjährige Astronomietag steht unter dem Motto:
   "Die lange Nacht mit Luna"   -   Faszination Mond

Alles dreht sich um unseren Nachbarn im All. Sehen Sie die Kraterlandschaft des Erdtrabanten mit eigenen Augen.

20:00 Uhr:   "Der Weg zum Mond"  -  ein Vortrag von Martin Brückner,

der von Jules Verne über das Apollo-Programm bis heute alle wichtigen Stationen der Monderforschung beleuchtet.

Bei klarem Himmel werden im Anschluss alle Teleskope der Isartalsternwarte eingesetzt, um den Mond, den Riesenplaneten Jupiter mit seinen vier Galileischen Monden und viele andere Himmelsobjekte zu erkunden.
open end





Bei Bilderbuchwetter fanden sich rund 30 Besucher auf der Dachterrasse zur Sonnenbeobachtung ein und wurden belohnt: Die Sonne geizte nicht mit diversen Aktivitäten.
Das Motto Faszination Mond faszinierte tatsächlich, so dass rund 60 Besucher im bis auf den letzten Platz gefüllten Vortragsraum den spannenden Ausführungen des Referenten lauschten.
Im Anschluss waren unsere großen Teleskope auf die Kraterwelt des Mondes und auf das Jupitersystem ausgerichtet.

Samstag
2. April

Die Nacht der Galaxien  -  ein besonderer Beobachtungsabend

Im beginnenden Frühling geht der Blick durch die großen Vereinsteleskope unvorstellbar weit in das Universum hinaus. Rund 50 Millionen Lichtjahre sind zum Beispiel die Galaxien des Galaxienhaufens im Sternbild Jungfrau entfernt. Hier drängen sich, wie an einer Kette aufgereiht, unterschiedlichste Formen von Galaxien im Bildfeld des leistungsfähigen 60cm-Spiegelteleskops. Im Sternbild des Löwen, das im Frühling hoch am Südhimmel steht, zeigt sich das Leo Triplet und in den Jagdhunden die berühmte Strudelgalaxie M51.

Zur Einführung in die geführte Beobachtungsnacht referiert Christian Müller im Vortragsraum der Sternwarte über die lange Entdeckungsgeschichte, die Lösung des Galaxienrätsels, ihre Beschaffenheit und die aktuelle Forschung dieser faszinierenden Welteninseln im Universum.

Das Neumondwochenende garantiert einen dunklen Nachthimmel - ideal für die Galaxienbeobachtung.

Die Veranstaltung findet auch bei unsicheren Wetterbedingungen statt.
Beginn: 20:00 Uhr

Nach einem zwar schönen, aber dunstigen Frühlingstag wurde der Himmel am Abend zunehmend klarer, so dass die über 30 Besucher neben dem den Nachthimmel dominierenden Jupiter und anderen interessanten Himmelsobjekten auch etliche der viele Millionen Lichtjahre entfernten und damit relativ lichtschwachen Galaxien mit eigenen Augen wahrnehmen konnten.

Freitag
6. Mai
20:00 Uhr

Anlässlich des bevorstehenden Merkurdurchgangs am 9. Mai referiert Kurt Motl über das Thema:

"Kosmische Schattenspiele"

Passagen der inneren Planeten Merkur und Venus sind sehr seltene Himmelsereignisse. Der nächste Venustransit wird z.B. erst im Jahr 2117 zu beobachten sein. Warum sind sie so selten und welche grundlegende Bedeutung hatten sie für die Astronomie, so dass Seefahrer und Astronomen um die halbe Welt segelten?
Der Vortrag beschränkt sich aber nicht nur auf die Transite dieser beiden Planeten, sondern stellt alle möglichen kosmischen Schattenspiele innerhalb und außerhalb unseres Planetensystems vor.

Montag
9. Mai

Merkurtransit

Der innerste Planet zieht vor der Sonne vorbei. Das passiert relativ selten, zum letzten Mal vor 10 Jahren und nur 14-mal im 21. Jahrhundert.
Das nur 12" große Merkurscheibchen wird um 13h 12m 11s den Sonnenrand berühren (1. Kontakt). Die "Finsternis" beginnt 3 Min. 11 Sek. später (2. Kontakt). Sie dauert 7 Std. 22 Min. Währenddessen werden 0,004 % der Sonnenscheibe abgedeckt. Um 16:56 Uhr wird die Finsternismitte erreicht. Merkur ist dann 5,2' vom Sonnenscheibenmittelpunkt entfernt. Beim 3. und 4. Kontakt befindet sich die Sonne bereits knapp unter dem Horizont.

Die Sternwarte ist bei schönem Wetter geöffnet von 13:00 Uhr bis zum Sonnenuntergang.

"Merkur in sole visa." Ein Halo der Sonne kündigte aufziehende Bewölkung an, aber während der ersten drei Stunden des über sieben Stunden dauernden Transits war das seltene Schauspiel sehr gut zu verfolgen und rund 30 Besucher nutzten die seltene Gelegenheit, den Merkur über die Sonnenscheibe krabbeln zu sehen.

Sehenswert ist das Video der NASA-Sonde 'Solar Dynamics Observatory' (SDO).

Samstag
28. Mai
20:00 Uhr

"Der Mars"
Der rote Planet in Opposition  -   ein Vortrag von Christian Müller

Neben astronomischen Grundlagen wird auf die Bedeutung des Mars in der Mythologie der Griechen und Römer eingegangen. Mit dem Einsatz größerer Teleskope wurde im 19. Jh. die Phantasie der Menschen angeregt: Stichwort Marskanäle und intelligente Marsbewohner. Dies gipfelte in der Panik, die in der ersten Hälfte des 20. Jh. unter amerikanischen Hörern einer Radiosendung des genialen Orson Welles entstand, welche eine Invasion agressiver Marsbewohner in der fingierten Liveausstrahlung für bare Münze hielten.
Die vergangenen 50 Jahre Marsforschung stehen im Zeichen der Raumfahrt: von den ersten Besuchen durch Mariner-Raumsonden bis zum Befahren der rostroten Marswüste durch den Rover Curiosity, der seit August 2012 im Dauereinsatz bereits über 12 km in der rostroten Marswüste zurückgelegt hat. Details der Marsoberfläche runden den Vortrag ab. Dieser findet auch bei schlechtem Wetter statt.
Bei schönem Wetter können anschließend neben dem Riesenplaneten Jupiter mit seinen vier Monden auch verschiedene Himmelsobjekte des Frühlingshimmels beobachtet werden bis endlich der rote Planet in vollem Glanz am Südhimmel steht.


Freitag
24. Juni
20:00 Uhr

"Faszinierender Saturn"
Der Ringplanet im Sommer 2016   -   ein Vortrag von Hans-Georg Schmidt

Weil dieser großartige Planet am 3. Juni seine "Opposition" durchlaufen wird, bietet er jetzt bis zum September die besten Beobachtungsmöglichkeiten für heuer.

Sein Ringsystem, seine zahlreichen Monde und letztlich auch seine Wolkenbänder entfalten schon in mäßig großen Fernrohren ihren Zauber. Und seit die Raumsonde "Cassini" das Saturnsystem ganz unmittelbar erforscht, ist es uns in jeder Hinsicht näher gebracht worden.  ... mehr lesen und weitere Bilder


Samstag
30. Juli
ab
15:00 Uhr
open end

Freier Eintritt beim Sommerfest an der Isartalsternwarte

Sonnenbeobachtung mit speziellen Teleskopen: Sonnenflecken, Fackeln, Protuberanzen

Kaffee und Kuchen
Unterhaltung oder Fachsimpeln mit Astronomiebegeisterten
Gegrilltes und kühle Getränke
Relaxen in einer wunderschönen Umgebung
Astronomie-Quiz, bei dem man Preise gewinnen kann
Astro-Flohmarkt

Wenn es dunkel wird, werden die Teleskope auf die Planeten Mars und Saturn gerichtet. Dessen Ring ist in diesem Jahr besonders weit geöffnet. Die Milchstraße erstrahlt in voller Pracht. Das Milchstraßenzentrum kulminiert im Süden. Die Kugelsternhaufen im Sternbild Herkules und Schütze sind faszinierende Objekte. Ein prachtvoller offener Sternhaufen ist der Wildentenhaufen im Sternbild Schild. Die großen Nebel und Sternentstehungsgebiete wie der Lagunennebel, der Trifid- und der Omeganebel sind weitere himmlische Reiseziele.

Freitag
12. Aug.

Die Nacht der Perseiden - im Volksmund "Laurentiustränen"

Die Sternschnuppen mit dem Namen Perseiden  verdanken wir dem Kometen 109P/Swift-Tuttle, der auf seiner Bahn um die Sonne eine Staubspur hinterlässt.  Die Erde kreuzt auf ihrer Bahn um die Sonne immer um den 12. August herum diese Staubspur, so dass Staubteilchen mit hoher Geschwindigkeit (ca. 60 km/s) auf die Moleküle der Erdatmosphäre treffen und diese zum Leuchten anregen. Die Perseiden treten alljährlich in der ersten Augusthälfte auf. Im Maximum am 12. August kann man rund 100 Sternschnuppen pro Stunde zählen. Sie scheinen aus dem Sternbild Perseus zu kommen. Dort liegt der Radiant, die scheinbare Quelle dieses Sternschnuppenstroms.

Die Sternwarte ist am Freitag ab 21:00 Uhr geöffnet.
Zunächst werden der zunehmende Mond mit seinen Gebirgen, Kratern und Maren und der Star unter den Planeten, der Ringplanet Saturn mit unseren Teleskopen aufgesucht. Auf der Dachterrasse lassen sich entspannt Sternschnuppen zählen - und vielleicht geht ja der eine oder andere Wunsch in Erfüllung. Da die Perseidenaktivität im Lauf der Nacht immer besser werden soll, ist das Ende offen  -  open end.

Samstag
13. Aug.
20:00 Uhr

"Die Großsternwarten in Chile"
ein Vortrag von Volkmar Voigtländer, dem Vorsitzenden der Bayerischen Volkssternwarte München

Es werden die Standorte der Europäischen Südsternwarte in Chile vorgestellt. Vom 3,6 m Teleskop auf La Silla bis zu den
8 m Teleskopen auf dem Paranal und dem Submillimeter Array auf dem Chajnantor Plateau.


La Silla, das erste ESO-Observatorium in Chile


VLT (Very Large Telescope) auf dem Paranal in Chile
Credit: ESO
Dabei werden die Technologien erklärt, mit denen es heute überhaupt möglich wird, Großteleskope zu bauen, deren Auflösung weit höher als die vom Hubble Space Telescope ist. Mit aktiver und adaptiver Optik können Teleskope größer gebaut und der Einfluss der Erdatmosphäre auf die Bildqualität deutlich reduziert werden.
Als Abschluss erhalten die Besucher weitere Impressionen aus dem faszinierenden Reiseland Chile.

Im Anschluss an den Vortrag freuen wir uns bei schönem Wetter auf eine zweite Perseidennacht.


Samstag
27. Aug.

Außerplanmäßige Tageshimmelführung wegen
VENUS - JUPITER - Begegnung

Die beiden hellsten Planeten unseres Sonnensystems, Venus und Jupiter, begegnen einander in einem Abstand, der kleiner als der Vollmonddurchmesser ist.
Die Begegnung kann man nur am Taghimmel beobachten, denn kurz nach Sonnenuntergang gehen auch die beiden Planeten unter.

Öffnungszeiten:
Um dieses seltene Ereignis beobachten zu können, muss natürlich der Himmel ziemlich wolkenlos sein.
Dann ist die Isartalsternwarte
von 14:00 Uhr bis 16:00 Uhr geöffnet.



Berechnet mit 'Cartes du Ciel'
Im großen 60 cm-Spiegelteleskop wird man bei geringer Vergrößerung gleichzeitig beide Planeten in einem Winkelabstand von ca. 25' (Bogenminuten) beobachten können. Zum Vergleich: Der Mond  hat einen Durchmesser von rund 0,5° = 30'.
Die vier in der Äquatorebene des Jupiter umlaufenden Galileischen Monde Io, Europa, Ganymed und Kallisto werden allerdings vom hellen Himmel überstrahlt. Im Laufe der kommenden Stunden wird sich der Abstand noch weiter verringern, bis er kurz nach Mitternacht nur noch 4' beträgt. Dann sind aber die beiden Planeten schon längst unter dem Horizont.
Obwohl der Abstand der beiden Planeten am Himmel sehr klein ist, sind sie doch räumlich sehr weit voneinander entfernt. Jupiter ist mit knapp 1 Milliarde Kilometer rund viermal weiter von der Erde entfernt als die Venus. Trotzdem ist der Durchmesser des Jupiterscheibchens im Teleskop rund dreimal größer als das der Venus. Er ist eben der weitaus größte Planet im Sonnensystem, aber nicht der hellste. Das ist die Venus. Sie wird während der Konjunktion sieben- bis achtmal heller strahlen als Jupiter.

Bei der Tageshimmelführung erfolgt auch eine
Beobachtung der Sonnenaktivität
mit unterschiedlichen Sonnenteleskopen. Die aktive Sonne produziert Sonnenflecken, Flares, Protuberanzen und Filamente.

Außerdem steht noch
die Sichel des abnehmenden Halbmonds
am Tageshimmel.

Freitag
28. Okt.
20:00 Uhr

"Gibt es Leben im Universum?" - Über die Suche nach einer zweiten Erde
ein Vortrag von Dr. Leonard Burtscher, Astrophysiker am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik

Die Suche nach einer zweiten Erde gehört fest in den Kanon vieler Science-Fiction-Geschichten. Doch seit einigen Jahren ist aus dieser Fiktion eine echte Wissenschaft geworden. Mithilfe modernster Großteleskope, extrem scharfer Optiken und sehr stabiler Instrumente ist es Astronomen gelungen, mehr als 3000 Planeten außerhalb unseres Sonnensystems zu entdecken. Die meisten dieser Planeten sind riesig und heiß, aber einige Entdeckungen sind möglicherweise vergleichbar mit der Erde. Mithilfe ausgeklügelter Methoden versuchen Forscher auf der ganzen Welt die Zusammensetzung der Atmosphären dieser Planeten zu enträtseln und so eine zweite Erde zu entdecken. Darüberhinaus zeigen neue Bilder Planetensysteme in der Entstehung und erlauben Rückschlüsse auf die "Astrochemie" in diesen "protoplanetaren Scheiben". Eine der faszinierenden Erkenntnisse: die chemischen Zusammensetzung dieser Scheiben ist denen von Kometen in unserem Sonnensystem durchaus ähnlich.

Zum Vortragenden:   Dr. Leonard Burtscher war ein Schüler des Gymnasiums Penzberg (Abiturjahrgang 2001), studierte dann Physik in Würzburg und Edinburgh (Schottland) und promovierte schließlich am Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg über Aktive Galaxien und Interferometrie. Seit 2012 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik in Garching bei München.




Künstlerische Darstellung des Planetensystems um den sonnenähnlichen Stern HD 10180. Dieses Planetensystem könnte unserem Sonnensystem ähnlich sein: insgesamt gibt es dort etwa sieben Planeten und der leichteste besitzt etwa das 1,4-fache der Erdmasse. (Bild: ESO) (1280x960pixel)

Die zahlreichen Besucher erlebten einen lebendigen und äußerst informativen Vortrag.        (Fotos: Franz Xaver Kohlhauf)
   

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